Beeindruckendes Konzert zum Jubiläum
Besondere Ehrung für Waldemar Götz im Rahmen des Jubiläumskonzerts des Musikvereins Wendlingen
Zum 90-jährigen Bestehen bot der Musikverein Wendlingen am Sonntag im Treffpunkt Stadtmitte abwechslungsreiche Unterhaltung. Die freundschaftlichen Beziehungen zu Wendlingens Partnerstädten feiern 2013 ebenfalls runde Geburtstage. Im Programm bekamen Kompositionen aus den jeweiligen Ländern so besonderen Raum.
WENDLINGEN. Unter dem Stichwort „Jubiläen“ stand auch die gewohnt charmante, anekdotenreiche Moderation von Saxofonist Andreas Keller. „45 Jahre insgesamt haben sie die Hälfte unserer Geschichte das Orchester geleitet und beide sind sie heute auf der Bühne“, sagte er über Dirigent Martin Schmelcher und dessen Klarinettisten und Vorgänger Waldemar Götz. Mit Götz habe damals der Weg des Musikvereins zur konzertanten sinfonischen Blasmusik begonnen, für seine Verdienste um den Verein und seine 65-jährige Mitgliedschaft wurde er am Sonntag geehrt.
Wohin die kontinuierliche und unter Schmelcher weiter professionalisierte Arbeit geführt hat, war schon zu Beginn des Konzertes zu hören: Unter Wolfgang Beichter bewies das Vororchester, dass frühzeitiges Ensemblespiel den Grundstein für anspruchsvolles gemeinsames Musizieren legt. Bei drei Tänzen für Blasorchester von Franz Watz und einem „Cowboy Song“ als Zugabe zeigten sich die sechs jungen Musiker der Aufgabe gewachsen, trotz jeweils nur einzeln besetzter Stimmen und Instrumente homogenen Bläserklang zu entfalten.
Nach einer strahlenden Eröffnung mit dem fanfarenhaften „Encanto“ von Robert Smith durfte der multitalentierte (später sollte er auch am Tenorhorn im Tutti des Großen Blasorchesters zu hören sein) Michael Kaiser sein Können zeigen. Erst seit einem Jahr beschäftigt er sich mit der Oboe, nun stand er als Solist vor dem Jugendblasorchester und ließ bei Marin Marais „Le Basque“ die Finger flink über die Klappen seines Instrumentes fliegen.
Einer Suite mit Highlights aus der Musik zum Filmklassiker „Forrest Gump“ – das schwärmerische erste Flötenthema, kontrolliertes Forte und donnerndes Schlagwerk-Martellato überzeugten – folgte ein Medley der Adele-Hits „Rolling In The Deep“, „Set Fire to the Rain“ und „Someone Like You“. Schön war zu beobachten, wie gefühlvoll sich die Register zurückzunehmen wussten, wo ihnen der Arrangeur die Rolle der sanft perlenden Klavierbegleitung zugedacht hatte.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Saint-Leu-la-Forêt ließ Martin Schmelcher sein Großes Blasorchester die „Suite Française“ von Darius Milhaud, ein dreisätziges Werk in dem der bedrückend düstere Mittelsatz „Alsace Lorraine“ die kapriziösen Ecksätze konterkariert, und „Le Paris d’Azzola“, ein Werk für Solo-Akkordeon und Blasorchester, spielen. „Französischer kann keine Musik sein“, meinte der Dirigent dazu; tatsächlich schienen Eric Danns mal zärtlich, mal energisch wiegende Akkordeonklänge die verzückt lauschenden Zuhörer in ein sonniges Pariser Straßencafé zu versetzen, bevor der Swing des dritten Satzes mit an New Orleanser Kollektivimprovisation angelehnten Trompeten-, Klarinetten- und Posaunenpassagen die Füße wippen ließ.
Die Qualitäten von Martin Schmelchers Dirigat kamen in außergewöhnlicher Weise bei Vittorio Montis „Csardas“ zur Geltung. Wie er die rasant, virtuos, ja fulminant aufspielende Xylophonsolistin Tanja Beichter in die agile Begleitung seines Klangkörpers einzubetten wusste, den sich fordernden Gegensätzen aus Orchesterfläche und den staccatohaften Farben des Stabspiels Plastizität verlieh, war beeindruckend. Kapelle, Dirigent und die junge Solistin verdienten sich mit ihrem ausdrucksstarken Vortrag begeisterten Beifall.
Nach dem ungarischen Tanz fehlte schließlich nur noch ein Gruß an die österreichische Partnergemeinde Millstatt. Das Blasorchester zeigte sich bei Thomas Doss‘ „Alpina Saga“ in bester Verfassung. Die pralle Melodienseligkeit des Stückes unterstrichen die Musiker mit ausgefeilter Dynamik und rhythmischer Präzision.
Zum Jubiläum führte der Verein auch seine Tradition fort, Kooperationen mit anderen Ensembles im Konzert zu präsentieren. Gemeinsam mit dem „Chor4You“, dem Projektchor des Sängerbundes Wendlingen, brachte man das hymnische „When You Believe“ aus dem Film „Der Prinz von Ägypten“ und „Today Is The Gift“, eine Hommage an die US-Bürgerrechtlerin Rosa Parks, zu Gehör. Nicht nur die beeindruckende Darbietung dieses Werkes, in dem sich Suaheli-Sprechgesang, treibende Trommelrhythmen und monumentaler Orchesterklang abwechseln, hätte an diesem Konzertabend ein deutlich größeres Publikum verdient gehabt.