Kultur Chorios 2006

"Choriose" Kultur mit italienischem Finale

07.11.2006 von Nicole Mohn

Treffen der Jungen Chöre in Wendlingen begeisterte das Publikum mit Musik von Swing bis Pop

WENDLINGEN. Junge Chormusik ist stark im Kommen. Und das dieser frische Trend in den Gesangvereinen sich einer stetig wachsenden Zahl von Liebhabern erfreut, das bewies am Sonntag die zweite Auflage von Kultur Chorios in der Wendlinger Lauterturnhalle. Neun Ensembles und Chöre präsentierten bei dem ganztägigen Festival moderne Chormusik in all ihrer Vielfalt.

Die Prinzen, Billy Joel, Gershwin oder Beethoven vielseitig ist das noch junge Genre der neuen Chöre im Ländle. Und so gestaltete sich auch das Programm von Kultur Chorios am Sonntag mehr als abwechslungsreich. Für gute Stimmung auf der Bühne sorgten zum Auftakt die Stoiadler. Die acht Großbettlinger und ein Bempflinger versüßten den schon zahlreichen Besuchern das morgendliche Weißwurstfrühstück mit gekonntem A-cappella-Sound. Ob Neue Deutsche Welle, Udo Jürgens oder Prinzen-Pop: Das Ensemble ist nicht nur stimmlich ein Genuss hier sind echte Entertainer am Werk. Und wenns mal nicht so ganz rund läuft, nehmen es die acht Sänger und Joachim Schmid am Klavier mit Humor. Gute Laune, die ansteckend war und das Publikum mitriss.

Begeisternd auch, was die Gäste von der Eintracht Kirchheim in der Lauterhalle boten. Die Happy Voices nennt sich der Junge Chor aus der Nachbarschaft und hat mit ihrem Dirigenten Robert Kast schon mit dem Musical Sibylle von der Teck für Aufmerksamkeit gesorgt. Am Sonntag begeisterten sie mit Arrangements von Pop bis Spirituals, die oftmals aus der Feder ihres musikalischen Leiters stammten.

Afrikanisch angehaucht die Stücke, die der Swing Chor des Liederkranzes Reudern zum Festival mitgebracht hatte. Nkosi sikeleli Afrika sangen die Männer und Frauen unter Leitung ihres Dirigenten Reiner Hiby. Aber auch das Musical-Genre hat es den Sängern aus dem Nürtinger Teilort angetan, wie sie mit dem Klassiker Cabarett bewiesen.

Stimmlich vereinte Gauchormeister Joachim Schmid zwei seiner langjährigen Chöre auf der Bühne: Gemeinsam begeisterten Just Music von der TSuGV Großbettlingen zusammen mit den Nachbarn aus Neckartailfingen, dem Chor Vision des Sängerbundes. Mit Audite, silete, ein Werk von Michael Prätorius aus dem 16. Jahrhundert, zeigten die Sänger, dass nicht nur U-Musik zum Repertoire der Jungen Chöre gehören. Ins Ohr ging auch besonders der Oldie Cant help falling in love. Mit den VoicES war ein weiteres hochklassiges Ensemble nach Wendlingen gekommen. Die Sänger und Sängerinnen aus Esslingen holten sich im vergangenen Jahr beim Landeschorwettbewerb die beste Note in der Kategorie Jazz vokal etc.

Zusammen mit ihrer musikalischen Leiterin Constanze Daneck bewiesen sie in Wendlingen ihr Können. Schon bei Stevie Wonders Evergreen You are the sunshine of my life präsentierte sich der Chor fein gegliedert und homogen im Klang. Auch ihre Gershwin-Interpretation und der moderne Klassiker von King Youver got a friend erhielt zu Recht viel Beifall. Nur ungern ließ das Publikum die Gäste aus der Kreishauptstadt nach ihrem Joyful, Joyful, einer englischen Version von Beethovens Ode an die Freude aus dem Film Sister Act, ziehen.

Begeistert gefeiert wurde auch The Vocal Adventure der Musik- und Jugendkunstschule der Stadt Nürtingen. Das stimmliche Abenteuer, wie das Ensemble ins Deutsche übersetzt heißt, (Expeditionsleiter übrigens auch hier Joachim Schmid) begann auf dem Schlager-Parkett und endete mit einer heißen Nummer auf dem Disco-Dancefloor.

Großes Kino holte die Gruppe Taktvoll auf die Bühne. Die Männer und Frauen aus den Reihen des Sängerbundes Wendlingen holten in ihrer chorischen Comedy beliebte und bekannte Filmmelodien auf die Bühne. Ob Dirty Dancing oder Flashdance keiner der großen Hits der vergangenen Jahre durfte bei ihrer bunten Revue fehlen.

Spät war es geworden, als schließlich die Gastgeber vom Sängerbund selbst zusammen mit dem großen Orchester des Musikvereins Wendlingen auf die Bühne trat. Doch auch nach vielen Stunden voller Chormusik dachten die Gäste im voll besetzten Saal nicht an den Nachhauseweg. Der Chor4You bedankte sich bei seinem Publikum mit einem italienischen Finale. Zum Auftakt holten die Musiker unter Leitung von Martin Schmelcher, unterstützt vom Jungen Chor des Sängerbundes, Erinnerungen an den großen Filmmusiker Morricone zurück. Mit einigen seiner bekanntesten Westernmelodien zauberten sie noch einmal Leinwand-Feeling in die Halle. Eros Ramazzotti in Concerto weckte Erinnerungen an das musikalische Highlight des Sommers, die Italienische Nacht, bevor sich zum großen Finale noch einmal alle Sänger zum Viva Belcanto vereinten.

Der Aufwand hat sich gelohnt, waren sich die Organisatoren des großen Treffens der Jungen Chöre nach harter Arbeit einig. So verzeichneten die Veranstalter weitaus mehr Besucher als eigentlich erhofft.

Gelohnt hat sich auch die Investition in ein gutes Soundsystem: Die Anlage konnte zumindest zum Teil die akustischen Defizite der Lauterturnhalle ausgleichen. Auch die Entscheidung, die Ensembles aus dem Guckkasten zu holen und die Bühne weiter in den Saal hinaus zu ziehen hat sich hörbar bewährt.

Die Großbettlinger Stoiadler sorgte zum Auftakt von Kultur Chorios für gute Stimmung in der Wendlinger Turn- und Festhalle. zog